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Eigenes Fohlen aufziehen? CAVALLO erklärt, worauf Sie achten müssen

So wird der Traum vom eigenen Fohlen wahr

Ein eigenes Fohlen soll es sein? Hier sind die zentralen Fragen und Antworten, die Sie sich stellen sollten, damit Sie keine bösen Überraschungen erleben.

Ein kleines Pferdekind von Geburt an begleiten zu können, seine Entwicklung hautnah mitzuerleben und es vielleicht sogar selbst auszubilden, ist für viele Reiter ein Traum. Für Stutenbesitzer ist er leicht zu erfüllen. Oder nicht?

Sicher ist: Wer ein eigenes Fohlen ziehen möchte, muss einen kühlen Kopf bewahren, bürokratische Hürden nehmen und vor allem ehrlich mit sich selbst sein. Diese 6 Fragen sollten Sie sich stellen - und diese 6 Antworten mit "ja" beantworten können.

Aber danach können Sie Ihren Emotionen freien Lauf lassen! Sind Sie bereit?

Im Folgenden finden Sie drei Erfahrungsberichte von Hobby-Züchtern, die zeigen, wie bereichernd und herausfordernd die Aufzucht eigener Fohlen sein kann.

Gesundheitliche Probleme als Folge

"Mein Fohlen macht mir große Freude. Doch selbst zu züchten birgt Risiken." (Michaela Hohlstein, www.pferdepartner-franken.de)

Bei uns sind schon viele Jungpferde groß geworden, doch nie hatten wir ein Fohlen selbst gezogen. Die Züchterin meiner Achal-Tekkiner-Stute Darakhshan ermutigte mich, es zu versuchen – und weckte damit in mir einen Traum, den ich tatsächlich verwirklichte. Drei Monate war meine Stute beim Hengst. Für mich eine harte Zeit, da ich zu Darakhshan eine enge Bindung habe. Ich war überglücklich, als ich sie wieder nach Hause holen konnte. Dann war der Morgen gekommen. Es war da! Doch das Kleine sah aus wie tot. Ich nahm es in den Arm, streichelte es und erzählte ihm, dass wir es lieben, es bei uns seinen Platz im Leben hat und ein Wunschkind ist. Darakhshan stand in der Ecke und wartete ab. Ihr Fohlen atmete. Ich half ihm aufzustehen. Und siehe da, alles war gut.

Darakshan wurde die perfekte Mutter. Der kleine Syrdash wird bald zwei Jahre alt und hat sich toll entwickelt. Er ist ein richtiger Musterschüler, der mir und allen, die ihn kennen, viel Freude macht. Doch es gibt auch Schattenseiten. Darakhshans letzter Lendenwirbel hatte sich bei der Geburt abgesenkt und verkantet. Beim Reiten bereitete ihr das lange Zeit große Probleme. Die Therapie dauert immer noch an. War es das wert? Für einen Profizüchter ist es wohl nicht so tragisch, wenn mal etwas schief geht. Doch für einen Hobbyzüchter ist es das eine Fohlen! Die eine Stute! Nicht zu vergessen die Kosten für die Aufzucht. Von dem Geld, das ich investiert habe, könnte ich mir ein tolles Jungpferd kaufen. Also: Nie wieder ein Fohlen aus meiner Reitstute! Doch ich weiß jetzt schon, dass ich es zu einem späteren Zeitpunkt wieder tun werde. Es ist eben eine Herzensangelegenheit und mit nichts aufzurechnen.

Das Fohlen als Herausforderung

"Mein Fohlen hat sich zu einem Pferd entwickelt, dem ich nicht gewachsen war." (Carina Wittchen, www.horsediaries.de)

Lange Zeit konnte ich nicht reiten, weil es mir gesundheitlich nicht gut ging. Ich wollte meine Stute Wayana weder in Vollberitt geben noch sie auf die Weide stellen. Die Entscheidung, Wayana decken zu lassen, fiel ziemlich schnell. Ich ließ mich von erfahrenen Züchtern beraten, damit alles gut ging. Wayanas Ebenbild im Zwergenformat – ich konnte es kaum abwarten! Doch je näher der Geburtstermin rückte, desto nervöser wurde ich. Ich hatte auf einmal Angst davor, mein Herzenspferd bei der Geburt zu verlieren – nur weil ich so egoistisch war und ein Fohlen aus ihr wollte. Umso erleichterter war ich, als der kleine „Maybe More“ gesund auf die Welt kam.

Wayana war die perfekte Mama. Ich liebte es, den beiden stundenlang beim Kuscheln, Schlafen oder Grasen zuzusehen und baute eine enge Bindung zu dem Fohlen auf. Diese Zeit war die Schönste, die ich jemals mit Pferden verbringen durfte. Doch der Kleine wurde schnell groß. Beim Anreiten musste ich es mir eingestehen: Seinem Temperament und seiner Größe war ich nicht gewachsen. In mir brach eine Welt zusammen. Ich zog mich zurück, ließ Maybe im Berittstall. Er wurde kastriert, ich wartete ab, hoffte auf ein Wunder. Irgendwann holte ich ihn zu mir. Ich fand jemanden, der ihn gut reiten konnte und übernahm die Arbeit am Boden. Es war eine schwierige Zeit, in der ich mich gefühlstechnisch nach und nach von ihm distanzierte.

Nach vielen Tränen und großen Selbstzweifeln machte ich mich auf die Suche nach dem passenden Menschen für ihn. Gleich bei der ersten Interessentin war klar: Das passt. Sie kaufte ihn. Mir fiel ein riesiger Stein vom Herzen. Noch heute, wenn ich von ihm höre, bin ich überglücklich, dass es so gekommen ist. Letztendlich muss jeder für sich selbst entscheiden, ob es wirklich notwendig ist, ein Fohlen aus der eigenen Stute zu ziehen. Ich für meinen Teil habe daraus gelernt. Mir hätte vorher bewusst sein müssen, dass das Fohlen auch zu einem Pferd heranwachsen kann, welchem ich eines Tages nicht gewachsen sein könnte.

Das Fohlen als Flaschenkind

"Wenn ich meinen kleinen Littlefoot sehe, bin ich stolz. Er ist für mich wie ein zweites Kind." (Manuela Allweil)

Als mein kleiner Littlefoot auf die Welt kam, wurde mein Traum erst einmal zum Albtraum. Ein Minishetty-Fohlen war schon immer mein größter Wunsch. Drei Jahre musste ich warten, bis eine unserer Stuten tragend wurde. Und dann, nach der Geburt, lag der Kleine schwach im Stroh und durfte nicht trinken, weil Zari, die Mutter, ihn nicht heranließ. Ich schaffte es, Zari zu melken und ihm die erste Milch in der Flasche zu geben. Er ist ein Flaschenkind geblieben. Viele schlaflose Nächte hat er uns beschert, bis er endlich kräftiger wurde. Es war eine sehr anstrengende Zeit, aber auch eine wunderschöne Erfahrung. Ich bin jeden Tag stolz, wenn ich meinen Kleinen sehe. Er ist für mich wie ein zweites Kind.

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