Interview: Zecken-Risiko für Pferde

„Tägliches Putzen schützt am besten vor Borreliose“

Auf der Pferdeweide ist das Zecken-Risiko hoch.
Foto: Rädlein

Mit der Zeckensaison steigt wieder die Angst vor Borreliose. Der Bakteriologe Prof. Reinhard Straubinger aus München klärt über Schutzmaßnahmen auf.

CAVALLO: Wie können Reiter ihr Pferd am besten vor Zecken schützen?
REINHARD Straubinger: Indem sie ihr Pferd täglich putzen. Ist eine Zecke frisch aufs Pferd gelangt, bewegt sie sich zunächst auf der Suche nach einer passenden Einstich- stelle. Wer dann das Pferd striegelt, streift die Zecke in der Regel ab. Hat sich eine Zecke bereits festgesogen, fallen die verdickten Stellen auch am ehesten beim Putzen auf. Bemerkt der Reiter die Zecke, sollte er sie zügig ent- fernen. Da eine Übertragung der meisten Krankheits- erreger erst nach 24 Stunden stattfindet, ist Putzen die wichtigste Schutzmaßnahme.

Empfiehlt sich dann für Pferde überhaupt eine Borreliose-Impfung?
Impfen ist nach dem Putzen die zweite Schutzmaßnahme. In den neuen Leitlinien zur Impfung von Pferden steht im Grunde genommen: Jedes Pferd, das mit Zecken in Berührung kommen kann, mag über eine Impfung zusätz- lichen Schutz erhalten. Das sind eigentlich alle Pferde, die auf der Weide stehen.

Zu welchem Impfschema raten Sie?
Um den Antikörperspiegel gegen die Erreger möglichst hoch zu halten, benötigt das Pferd zunächst zwei Borreliose-Impfungen im Abstand von drei bis fünf Wochen. Im Unterschied zu den Herstellerangaben empfehle ich dann eine Zwischenimpfung nach sechs Monaten. Nach weiteren sechs Monaten – also ein Jahr nach Beginn der Impfung – wird nochmals geimpft. Dann reicht eine jährliche Auffrischung.

Und was können Reiter tun, damit insgesamt möglichst wenig Zecken auf dem Pferd landen?
Koppeln am Waldrand sind besonders riskant. Erwachsene Zecken bevorzugen dichte Büsche. Deshalb sollten Reiter dichtes Buschwerk in oder um die Koppel vermeiden oder zurückschneiden.