Wie pferdefreundlich sind Pferde-Shows?

So erkennen Sie eine gute Pferde-Show

CAVALLO Showpferde Licht & Schatten
Foto: Lisa Rädlein

Licht & Schatten – beides liegt im Showbusiness nah beieinander. Wir bringen mit Kriterien für pferdefreundliche Shows für Sie Licht ins Bühnendunkel.

Scheinwerferlicht an, Alltag aus: Pferdeshows entführen in eine märchenhafte Welt. Doch Reiter sind oft zwiegespalten. Einerseits sind auch sie fasziniert, andererseits fragen sie sich: Wie geht es den Showpferden wirklich? Kann ich den Besuch einer Show als Pferdeliebhaber vertreten?

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„Es ist völlig unnötig, dass es Shows mit Pferden gibt, um uns zu unterhalten“, sagt Jana Hoger von der Tierschutzorganisation PETA, die Pferdeshows immer wieder scharf kritisiert. Das Argument ist nicht von der Hand zu weisen: Niemand muss eine Pferdeshow besuchen. Umso wichtiger ist es, gut abzuwägen, ob eine Show nicht nur den Zuschauer erfreut, sondern auch den Pferden ein gutes Leben ermöglicht.

Ob und welche Shows er überhaupt besuchen will, muss letztendlich jeder für sich entscheiden – doch dazu braucht es Wissen darüber, wann eine Show für die Pferde in Ordnung ist und wann nicht. Um mehr Licht ins Bühnendunkel zu bringen, lüften wir für Sie deshalb ein Stück weit den Vorhang und sprechen mit Showreitern und Kritikern. Gemeinsam mit unseren Experten haben wir Kriterien zusammengetragen, die es Ihnen erleichtern, die Pferdefreundlichkeit einer Show von den Zuschauerrängen aus und bereits vor dem Besuch einzuschätzen.

Wie häufig und wie lange darf ein Pferd auf der Bühne stehen?

Als Zuschauer lohnt es sich, während der Show darauf zu achten, wie lange die Pferde auf der Bühne stehen und wie oft sie zum Einsatz kommen. Das kann sich stark unterscheiden. Pferde, die spezielle Lektionen oder Kunststücke können, zeigen diese unter Umständen mehrmals täglich für kurze Dauer. „Dann finde ich es auch in Ordnung, wenn so ein Spezialist zwei- bis dreimal täglich für wenige Minuten auf der Bühne steht“, erklärt Show- und Stuntreiterin Hero Merkel. „Das darf aber nie mehr als drei Tage hintereinander der Fall sein.“

Auch Elmar Kretz findet zwei bis drei Auftritte täglich in Ordnung, wenn der Ausgleich für die Pferde stimmt. Wichtig ist auch für ihn, dass die Auftritte nicht zu lange dauern. „Ein Pferd ist nicht dafür geeignet, 30 Minuten im Einsatz zu sein“, erklärt er.

Wie finde ich heraus, wie viel die Showpferde arbeiten?

Achten Sie also beim Besuch einer Show darauf, ob die Pferde zu lange oder zu oft auf der Bühne stehen. Ein erstes Indiz vor der Buchung kann ein Blick auf den Spielplan sein: Finden mehrere Aufführungen täglich statt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Pferde zu oft auf der Bühne stehen.

Das gilt besonders dann, wenn bestimmte Rollen mit immer dem gleichen Pferd besetzt sind. Erkundigen Sie sich im Zweifel beim Showveranstalter, ob es Doppelbesetzungen gibt, um die Pferde regelmäßig zu entlasten. Solche kritischen Nachfragen schaffen mehr Bewusstsein beim Veranstalter. Erhalten Sie keine oder eine negativ ausfallende Antwort, verzichten Sie auf den Besuch der Show.

Wie ist eine pferdefreundliche Show gestaltet?

Damit Showpferde weder überfordert werden noch in eine langweilige Routine verfallen, ist ausschlaggebend, wie frei der Trainer seinen Auftritt mit den Pferden gestalten darf. Das betont auch Wolfgang Hellmayr, der regelmäßig bei Shows auftritt.

„Es ist ein großer Unterschied, ob ein Pferd zweimal täglich die gleiche Quadrille gehen muss, oder ob ich meinen Auftritt je nach Tagesverfassung anpassen kann“, erklärt er. Ähnlich sieht das auch Elmar Kretz: „Meine Pferde arbeiten keine Nummer durch. Ich möchte keine routiniert-gelangweilten Pferde.“ Wichtig ist ihm das Selbstverständnis einer Pferdeshow: „Wir machen Live-Unterhaltung und keine Kinofilme. Wenn ein Pferd mal Quatsch macht oder geführt werden muss, weil etwas frei nicht klappt, finde ich das sogar interessant für die Zuschauer.“

Wie viel Freiheit eine Show dem Trainer lässt, ist auch abhängig von ihrer Machart. Reihen sich einzelne Shownummern aneinander, wie es etwa häufig bei Shows auf Pferdemessen der Fall ist, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass der Trainer innerhalb seiner Auftrittszeit den Ablauf variieren kann. Spielt sich dagegen ein Stück mit festgelegten Szenen ab, ist nur wenig Abweichung und Abwechslung möglich, die Pferde müssen mehr „funktionieren“. Deshalb kann auch das Format der Show mitentscheiden, ob ein fehlertoleranter Umgang mit dem Pferd möglich ist.

Kann ich die Trainingsmethoden erkennen?

Während einer Show zu erkennen, wie hinter den Kulissen mit den Pferden gearbeitet wird, ist nicht einfach. Einige Anhaltspunkte gibt es aber: „Achten Sie darauf, ob der Trainer das Pferd auch mal zu sich kommen lässt und ob er es streicheln kann, ohne dass es nach ihm schnappt“, rät etwa Hero Merkel. „Wenn es solche Momente der Ruhe zwischen Trainer und Pferd gibt, ist das ein gutes Zeichen.“

Aufschlussreich kann auch sein, wie ein Showman außerhalb des Rings mit seinen Pferden umgeht. Kann ein Freiheitsdressur-Profi auch ohne Halfter und Strick mit seinem Pferd übers Messegelände gehen, ist das ein Zeichen für eine gute Beziehung.

Durch solche Beobachtungen lässt sich insbesondere bei Freiheitsdressuren unterscheiden, ob eher mit Drill oder über das Interesse des Pferds am Menschen und dessen Rolle als Herdenführer gearbeitet wird. „Drill bedeutet, dass etwas so lange wiederholt wird, bis eine Lektion sitzt“, erklärt Wolfgang Hellmayr. „Diese Art des Trainings ist etwa typisch für den Zirkus und braucht meist einen Zaun.“

Wer noch mehr Sicherheit darüber haben möchte, wie mit den Pferden gearbeitet wird, sollte nachfragen, ob er beim Training zuschauen darf. Gibt ein Trainer oder ein Showunternehmen hier Einblicke, ist das ein gutes Zeichen.

Was sagt mir die Körpersprache der Pferde?

Alle Signale für Unwohlsein, auf die Sie bei Reitpferden achten, gelten genauso für Pferde in Shows. Jana Hoger von PETA nennt etwa Schweifschlagen, ein offenes Maul oder sichtbare Zähne als Zeichen, dass die Pferde einer zu hohen Krafteinwirkung durch den Reiter entgehen wollen.

„Weisen die Ohrmuscheln seitlich nach unten, ist das ein Zeichen für unterwürfiges Verhalten und Angst gegenüber dem Trainer.“ Sind die Ohren nach hinten gerichtet, kann das Aggression oder Unzufriedenheit ausdrücken. In Freiheitsdressuren können nach hinten gerichtete Ohren aber auch etwas anderes bedeuten: „Sind die Ohren nicht flach angelegt, aber nach hinten gerichtet, entspricht das der natürlichen Spielhaltung von Pferden“, erklärt Wolfgang Hellmayr. „Achten Sie darauf, ob das Pferd die Ohren in ruhigen Momenten wieder nach vorne nimmt – etwa wenn der Trainer es streichelt“, rät Hero Merkel.

Ein deutliches Stressanzeichen ist für die Stuntreiterin übermäßiges Schwitzen. Schweißnasses Fell kann auch darauf hinweisen, dass das Pferd nicht ausreichend an die Showumgebung gewöhnt wurde oder mit seinen Aufgaben überfordert ist.

Welche Ausrüstung ist bei welcher Nummer in Ordnung?

Showeffekte und üppig geschmücktes Zubehör machen es nicht leicht, von der Tribüne aus die Ausrüstung von Showpferden zu beurteilen. Versuchen Sie, genau hinzuschauen. Um vor dem Besuch einer Show einen Eindruck zu bekommen, lohnt es sich, den Internetauftritt unter die Lupe zu nehmen und auf den Fotos nach unerwünschter Ausrüstung Ausschau zu halten.

Grundsätzlich gilt: Für Showpferde ist genau der gleiche Maßstab anzulegen wie für Reitpferde. Das betont Wolfgang Hellmayr: „Die Showpferde-Ausrüstung darf keinen Millimeter abweichen von den Vorschriften, die auch im Sport gelten.“ Gebisse mit Anzügen dürfen also ebenso wenig mit Sperrriemen kombiniert werden wie eine Kandare mit einem Martingal. Ausbinder müssen immer lang genug sein, am besten wird ganz darauf verzichtet. „Ausbinder waren bei Freiheitsdressuren im Zirkus früher üblich, heute sind sie aus meiner Sicht ein No-Go“, sagt Wolfgang Hellmayr. Ähnlich sieht das auch Hero Merkel: „Ich sehe nicht ein, dass in einer Freiheitsdressur Ausbinder nötig sein sollen.“

Auch bei Stuntpferden sind diese für Hero Merkel absolut fehl am Platz: Das Pferd muss sich gerade mit einem turnenden Reiter auf dem Rücken gut ausbalancieren können. Weglegen sollten Stuntreiter unbedingt auch ihre Sporen, wie Hero Merkel erklärt. „Ein Stuntreiter bewegt sich so viel, dass der Einsatz des Beins gar nicht so sauber sein kann wie für Sporen notwendig.“ Auch scharfe Gebisse sollten besonders für Stuntreiter unnötig sein. „Meine Pferde tragen meist eine Mini-Fahrkandare, da ich die Zügel vor und nach dem Stunt einhändig führe.

Ich frage mich aber immer: Warum sollte mehr nötig sein?“ Stuntpferde müssen darauf trainiert sein, ihren Weg selbst einzuschlagen und am Ende der Bahn wieder zu stoppen. „Muss der Reiter viel eingreifen, ist das ein Zeichen, dass die korrekte Ausbildung fehlt“, so Merkel.

Wie werden Showpferde eigentlich gehalten?*

Je nachdem ob eine Show tourt oder fest an einem Ort stationiert ist, unterscheidet sich die Haltung der Pferde. Die Pferde von Elmar Kretz stehen während des „Weihnachtscircus“ in Ravensburg etwa für vier Wochen in Stallzelten.

„Wir haben einen Dienstleister, der vier mal vier Meter große Boxen anbietet, die sich tagsüber zu Paddockboxen erweitern lassen“, erklärt Kretz. Zusätzlich gibt es Sandpaddocks, auf denen sich die Pferde stundenweise bewegen können. Den größten Teil des Jahres verbringen seine Pferde jedoch im Heimatstall im Allgäu, wo große Koppeln zur Verfügung stehen. Und das ist auch gut so.

Denn in den Genuss einer natürlichen Herdenhaltung wie im Offen- oder Laufstall kommen Showpferde auf Tour oder auch in innerstädtisch gelegenen Showställen mit festem Standort kaum. Das kritisiert auch PETA: „Showpferde können aus unserer Sicht ihrem Bewegungsbedürfnis nicht nachgehen und keine sozialen Kontakte pflegen“, sagt Jana Hoger. Eingeschränkt sind Showpferde in dieser Hinsicht tatsächlich fast immer – regelmäßige Heimataufenthalte sind daher fürs Pferdewohl zwingend nötig: fragen Sie also nach.

Wie belastend sind die Transporte für Showpferde?

Showpferde müssen häufig viel herumreisen. Hero Merkel und Elmar Kretz nehmen bei ihren Pferden wahr, dass die Transporte sie nicht belasten. Wie gut die Pferde die Reisen verkraften, kommt auch auf Dauer und Planung der Tourneen an. Wolfgang Hellmayr sagt: „Wochenlange Touren mit vielen Stopps versuche ich heute zu vermeiden, da sie sehr anstrengend für die Pferde sind.“

Auf langen Strecken sei der Komfort der Pferde auch stark davon abhängig, wie viel Geld für Transporter in die Hand genommen wird. Ein normaler Pferdeanhänger sei deutlich weniger komfortabel als ein großer, moderner Transporter. „Mit kluger und pferdegerechter Planung lässt sich der Komfort der Tiere beim Transport aber wesentlich steigern“, so Hellmayr.

Ist ein gutes Pferdeleben mit dem Showgeschäft vereinbar?

Shows sollen rentabel sein. Dabei können sie die Kosten teils aber nur knapp decken. Das führt dazu, dass nicht immer Rücksicht aufs Pferdewohl genommen wird.

Andererseits gibt es auch vorbildliche Shows toller Pferdeleute, die Sie mit gutem Gewissen genießen können. Dabei, eine pferdefreundliche Show zu erkennen, hilft Ihnen unsere Checkliste rechts.

Fragen Sie sich für Ihre Entscheidung doch außerdem mal: Würde ich wollen, dass mein Herzenspferd in dieser Show auftritt? Nein? Dann verzichten Sie. Ja? Dann ab auf die Ränge.

Vorschriften für Showbetreiber

Gemäß Tierschutzgesetz muss jeder, der Tiere zur Schau stellen will, eine Erlaubnis vom zuständigen Veterinäramt dafür haben. Das Veterinäramt führt dann an jedem neuen Standort eine Kontrolle durch. Zusätzlich gibt es auch für Shows mit festem Standort unangekündigte Routinekontrollen.

Rechtsgrundlage für die Anforderungen an die Tierhaltung ist Paragraf 2 des Tierschutzgesetzes. Um die Vorschriften, etwa zur artgerechten Haltung, auszulegen, zieht das Amt die Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltung des Bundes heran.

Auch die Überprüfung des Trainings und der Show – soweit diese zum Zeitpunkt der Zulassung schon existiert – sind Bestandteil des Zulassungsverfahrens. Wie ohne die Anwesenheit Dritter trainiert wird, können die Prüfer aber nicht beurteilen. Dass die Bedingungen des Tierschutzgesetzes eingehalten sind, ist zudem ein Mindeststandard, der nicht garantiert, dass es den Pferden rundum gut geht.